Auen-Tunnel und Zensur der Presse?

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Das Reichenhaller Tagblatt ist natürlich nicht „die Presse“ – das wäre zuviel der Ehre. Es dominiert in Bad Reichenhall aber klar die karge Medienlandschaft – und zensiert willkürlich Leserbriefe.

Ob nun ein Artikel gebracht wird oder nicht, ein Thema aufgegriffen oder nicht, oder Leserbriefe veröffentlicht oder gar verändert werden oder nicht – ist eine Zensur. Es gefährdet die so viel beschworene Freiheit der Meinung und Presse ganz erheblich.

Aktueller Anlass der Zensur

Zum Aicher-Vorhaben Auentunnel habe ich als 1. Vorsitzender des Vereins „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ noch am gleichen Tag (24.11.16) des Erscheinens des Artikels „Auentunnel könnte statt Kirchholztunnel kommen“ einen Leserbrief an die Redaktion gesandt. Inhalt: eine klare Absage zu einer neuen Aicher-Variante.

Reichenhaller Tagblatt zensiert die Leserbriefe

Am 01. Dezember wurden dann drei Leserbriefe veröffentlicht, zwei für die neue Variante und einer dagegen (Fritz Grübl). Die klare Stellungnahme des Vereins dagegen leider nicht. Die Vorwegnahme: „Der Leserbrief darf nur ohne inhaltliche Veränderung veröffentlicht werden.“ – was für einen Leserbrief, der namentlich gezeichnet ist, eigentlich selbstverständlich ist – war für die Redaktion des Reichenhaller Tagblattes dann wohl zuviel.

Bereits am 1. Juni 2016 schrieb Redaktionsleiterin Sabine Zehringer dazu: „die Redaktion ist von mir angehalten, Formulierungen wie  „meiner Meinung nach“, meines Erachtens“ etc.  einzufügen, wenn es um Meinungsäußerungen geht oder nicht nachweisbare Tatsachenbehauptungen.“

Reichenhaller Tagblatt gegen Kirchholztunnel?

Diese zweifelhafte Praxis bei Leserbriefen wird aber nicht durchgehend und sehr einseitig angewandt. Der Verdacht zwängt sich mir, und auch dem Vorstand des Vereins auf, dass hier nach persönlichen Interessen gehandelt wird. So werden etwa aktuell – Leserbriefe vom 01. Dezember – in keiner Weise kommentiert. Beispiele:

1: „Der Kirchholztunnel schwebt seit 40 Jahren unheilvoll über Bad Reichenhall“ –  die Redaktion lässt es als „Tatsachenbehauptung“ stehen.

2: „Endlich liegt mit dem Vorschlag zum Ausbau der B20 die Rettung für den Golling und die Obere Stadt auf dem Tisch“ –  die Redaktion lässt es als „Tatsachenbehauptung“ stehen.

3. „Es gibt zu viele berechtigte Sorgen und Einsprüche, die nicht nur meiner Meinung nach …“ –  die Redaktion lässt es als „Tatsachenbehauptung“ stehen.

4: „Da ich schon immer aus der Beurteilung der Gefahrenlage und der Undurchführbarkeit der Kosten wegen ein Gegner des …“ –  die Redaktion lässt es als „Tatsachenbehauptung“ stehen.

Diese Aussagen (lediglich einige Beispiele) sind purer Populismus und werden 1:1 veröffentlicht. Dazu einige Anmerkungen:

ad 1: Ob ein Kirchholztunnel seit 40 Jahren über Bad Reichenhall schwebt ist an sich schon sehr fraglich. Ob es nun unheilvoll ist oder eine Option für Bad Reichenhall darstellt ist eine ganz andere Frage.

ad 2: Von einer Rettung des Gollings und der Oberen Stadt kann nicht gesprochen werden. Der Golling ist nur zu 1/5 bei der Variante „Kirchholz- und Stadtbergtunnel“ betroffen. Und für die Obere Stadt bringt diese Variante eine deutliche Entlastung.

ad 3: Die ‚Sorgen und Einsprüche‘ wurden bereits weitgehend als völlig unbegründet mit nachweislichen und sachlichen Argumenten, Untersuchungen und Gutachten entkräftet.

ad 4: Eine mögliche Gefahrenlage – gleich welcher Art – ist durch das Staatliche Bauamt bereits im Vorfeld völlig ausgeschlossen. Das Bauamt hat Jahre im Vorfeld durch erwiesene und vereidigte Sachverständig sämtliches Gefahrenpotential zum Bau des Kirchholztunnels ausgeschlossen!! Die entgegengesetzte Unterstellung im Leserbrief von Gerhard Schröter ist nicht nur Populismus, sondern meiner Meinung nach eine glatte Lüge.

Anmerkung: Unten die angeführten Leserbriefe – einmal in der Gesamtansicht und zweimal in Teilansicht. Zum Vergrößern bitte auf das Foto klicken.

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3 Kommentare

  1. Da ich die gleichen Erfahrungen gemacht habe, sollte eine deutliche Beschwerde über die Redaktionsleiterin Frau Zehringer beim Chefredakteur der pnp in Passau eingebracht werden. Einfügungen wie „meiner Meinung nach“ sind völlig überflüssig, denn es liegt in der Natur der Sache, daß ein Leserbrief die Meinung des Schreibers wiedergibt. Frau Zehringer ist m.W. Mitglied der SPD. Diese wendet sich gegen den Kirchholztunnel. Gründe dafür aus der politischen Ausrichtung der SPD sind nicht erkennbar. Möglicherweise ist die jetzige örtliche Parteiführung aus grundsätzlichen Erwägungen unfähig, von einer vor Jahrzehnten aus reinen Oppositionsgründen eingenommenen Standpunkt des damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Starzmann abzurücken. Frau Zehringer wohnt m.W. in Freilassing. Die örtliche Verkehrssituation berührt sie wahrscheinlich auch nicht.
    Kurt Pötschke

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