Verliert Bad Reichenhall sein Umwelt-Gewissen?

P  R  E  S  S  E   –    A  U  S  S  E  N  D  U  N  G
vom 19. Juli 2017

Ein Auentunnel zerstört die Saalachauen und auch die Zukunft von Bad Reichenhall?

 

Der Stadtrat von Bad Reichenhall beschäftigt sich ernsthaft damit, acht Hektar Auwald entlang der Saalach zu fällen. Im Juni beschloss der Stadtrat sich bei der Ortsumfahrung für Bad Reichenhall eine Variante Auen-Tunnel offen zu halten. Das würde bedeuten, dass acht Hektar Auwald entlang der Saalach mitsamt dem Ökosystem geopfert würden. Die Risiken bei Hochwasser für die Stadt Bad Reichenhall unkalkulierbar.

Der Saalach ihren natürlichen Raum geben

Überall sonst, diesseits und jenseits der Grenze nach Österreich, werden alle Bemühungen verstärkt, den Gebirgsflüssen Saalach und Salzach wieder soviel Naturraum wie möglich zu geben, in Bad Reichenhall aber würde dann direkt entlang des Flusses eine etwa fünf bis sechs Meter tiefe und 20 Meter breite Autoröhre als Ortsumfahrung gegraben werden.

Der alte Auwald der Saalach steht im Wege

Dass dabei ein intakter, alter Auwald ‚im Wege steht‘, scheint niemanden zu stören, weder die Grünen noch den Bund Naturschutz und die SPD und CSU ebenso wenig. Einzig die FWG (Freie Wählergemeinschaft) stemmt sich gegen das Vorhaben, pocht geschlossen auf die längst beschlossene und genehmigte Ortsumfahrung von Bad Reichenhall über den geplanten und bereits baureifen Kirchholz- und Stadtbergtunnel.

Max Aicher macht Druck in Bad Reichenhall

Hintergrund der neu aufgeflammten Bemühungen ist das Ansinnen des Industriellen Max Aicher, der auf dem Predigtstuhl ein Pumpspeicherwerk errichten will, am Poschberg in direkter Nähe dazu einen Abbau von Dolomitgestein intensivieren möchte und darüber hinaus eine Möglichkeit sucht, eine Starkstromleitung durch das Reichenhaller Tal zu legen.

Stadträte weichen aus

Die Stadträte greifen den Vorschlag Auen-Tunnel hoffnungsvoll auf, glauben Sie doch, damit Einwände gegen einen Kirchholz- und Stadtbergtunnel entgehen zu können. Zuletzt haben sich im Jahr 2013 von 14.078 wahlberechtigten Bürgern 2715 gegen diese Umfahrung ausgesprochen. Mit Argumenten wie die Sole sei unsicher oder es komme dann ein direkter Autobahnanschluss am Grenzübergang Walserberg wurde Stimmung gegen den Tunnel gemacht. Mit Fake News Stimmung gemacht?

Mit Fake News Stimmung gemacht?

Das Staatliche Bauamt in Traunstein, und auch der von der Saline beauftragte Sachverständige Dr. Kellerbauer, aber hatten längst unmissverständlich klar gestellt, dass eine Gefährdung der Saline in keiner Weise gegeben ist. „Ebenso wenig steht eine Autobahnanschluss am Walserberg in irgend einem Zusammenhang mit dem Bau der Ortsumfahrung über den Kirchholz- und Stadtbergtunnel“, stellt Martin Bambach von Staatlichen Bauamt Traunstein klar.

Die Saalach wird zum reißenden Gebirgsfluss

Anders aber sieht die Sache bei der von Max Aicher voran getriebenen Variante Auen-Tunnel aus. Es ist völlig ungewiss, wie sich der tiefe, durchgängige Einschnitt direkt neben dem Gebirgsfluss auf das Grundwasser auswirkt und welche Folgen etwa bei einem schweren Hochwasser auf die Stadt zukommen. Bereits in den letzten Jahren liefen viele Keller und Tiefgaragen in der Stadt voll, wenn Dauerregen und Schmelzwasser den meist unscheinbar vor sich hin fließenden Fluss zu einem wilden, alles mit sich reißenden Strom anschwellen lassen.

Rechtliche und topografische Erfordernisse als Grundbedingung

Das Staatliche Bauamt Traunstein findet ebenfalls deutliche Worte gegen das Wunschprojekt von Max Aicher, denn das Projekt müssen entsprechende topografische und rechtliche Erfordernisse begründen. Ebenso sind auch etwaige nachteilige Umweltauswirkungen des Vorhabens zu berücksichtigen, heißt es von offizieller Seite. Das aber dürfte beim Auentunnel mehr als schwierig werden.

Oberbürgermeister und Ex-Landrat involviert

Max Aicher aber lässt nicht locker. Er versucht über den Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall Einfluss zu nehmen, ebenso wie über den ehemaligen Landrat von Traunstein, Hermann Steinmaßl und scheut auch den Gang bis zu Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht. Hermann Steinmassl hatte er im Frühjahr bereits für die Landesgartenschau bemüht. Er wollte sie nach nach Bad Reichenhall holen. Auch hier wäre eine Tunnel-Lösung für den extrem starken Verkehr auf der B20 und B21 in Bad Reichenhall nötig gewesen. Am Besten womöglich mit einem Auen-Tunnel, um das Gelände gleich mit umgestalten zu können. Als Miteigentümer von Predigtstuhlbahn, -Hotel und -Alm, hätte die Landesgartenschau hoch oben auf den Berg einen Part gefunden.

Oberbürgermeister Dr. Lackner
lässt Bürgeranfrage nicht zu

Der Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall ließ eine entsprechende Bürgeranfrage bei der gestrigen Stadtratssitzung (18. Juli 2017) bezüglich des Auen- und Kirchholztunnels abblitzen. „Die Wochenfrist sei nicht eingehalten worden“, heißt die lapidare Begründung. Tatsächlich aber ist die Anfrage am Dienstag der Vorwoche der Stadtratssitzung abgegeben worden. Gefragt wurde, ob Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner mit dem Bauunternehmer Max Aicher bei dem Bundesverkehrsminister Dobrindt für die Pläne eines Auentunnels vorstellig waren. Gefragt wurde weiters, ob von Seiten des Stadtrates Bad Reichenhall ein Auftrag dafür bestehe und ob es von Seiten des Staatlichen Bauamtes Neuigkeiten bzgl. des Kirchholz- und Stadtbergtunnels oder im Hinblick auf den (so genannten) Auen-Tunnel gibt.

Aussitzen bis September – was wird verschwiegen?

Die nächste öffentliche Stadtratssitzung ist erst für den 12, September 2017 angesetzt. Bis dahin müssen sich die Bürger und Räte der Stadt wohl noch in Geduld üben. „Spielt Dr. Herbert Lackner auf Zeit, und was mögen seine Gründe dafür sein?“ spekuliert der Antragsteller und Vorsitzendes des Vereins „Bad Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“, Gerd Spranger. Auch hat sich der Verein mit einem dreiseitigen Schreiben an den Stadtrat von Bad Reichenhall gewandt und viele Bedenken gegen eine Variante Ortsumfahrung Auen-Tunnel in Bad Reichenhall ausgesprochen.

Links und Reaktionen auf den Artikel „Verliert Bad Reichenhall sein Umwelt-Gewissen?“

Link zum Artikel auf bgl24.de
„Verliert Bad Reichenhall sein Umwelt-Gewissen“

https://www.bgland24.de/bgland/region-bad-reichenhall/bad-reichenhall-ort28289/reichenhall-auentunnel-oder-kirchholztunnel

 

Link zum Artikel in der PNP
„Auentunnel kein Thema im Rat“

https://plus.pnp.de/lokales/bad_reichenhall/2589396_Auentunnel-kein-Thema-im-Rat.html

Link zum Artikel der Bayernwelle
„Tunneldiskussion in Bad Reichenhall“

http://www.bayernwelle.de/berchtesgadener-land-und-salzburg/tunneldiskussionen-in-bad-reichenhall

Link zum Artikel auf bgl24.de
„Dicke Luft in Bad Reichenhall“

https://www.bgland24.de/bgland/region-bad-reichenhall/bad-reichenhall-ort28289/reichenhall-auen-oder-kirchholztunnel-dick-luft-reichenhall-wirklich-8499056.html

 

Auch CSU-Stadtrat Christoph Lung nimmt dazu Stellung:
Zitat: „Bad Reichenhall darf nicht mit leeren Händen dastehen“

https://www.bgland24.de/bgland/region-bad-reichenhall/bad-reichenhall-ort28289/reichenhall-auen-oder-kirchholztunnel-christoph-lung-sagt-reichenhall-8511623.html

 

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