Hilfe unsere Häuser stürzen ein!

Die Diskussion um eine Ortsumfahrung von Bad Reichenhall hat jetzt nach 40 Jahren, einen neuen und traurigen Höhepunkt erreicht. Er kann mit dem Hilferuf „unser Häuser stürzen ein“ gleichgesetzt werden, wie jüngst Benno Kittl, ein besorgter Bürger aus Bayerisch Gmain in der regionalen Zeitung schreibt. Ja, die betroffenen Bürger in Bayerisch Gmain hätten nicht nur berechtigte Sorgen um ihre Häuser, diese Sorge sei sogar noch wissenschaftlich belegt, so Kittl.

Und plötzlich tun sich sämtliche Dolinen am Kirchholz auf, fallen in sich zusammen. Das ausgewaschene Haselgebirge zerfällt quasi in sich selbst – ganz wissenschaftlich.

Grund der Sorge ist der Kirchholztunnel, der in seiner Strecke tief unter den Häusern verlaufen soll. Ja, er habe gehört, dass der Tunnel gar nur 20 Meter unter der Erdoberfläche verlaufe, behauptet er und streut damit ein Gerücht. Natürlich wird der Tunnel bei seinem Austritt am Golling keine 30 bis 40 Meter Tiefe mehr haben, wie sollte er auch. Doch in der fraglichen Region unter den Villen und Häusern auf der Anhöhe in Bayerisch Gmain liegt der Mindestabstand zwischen Kellerboden – dabei fehlt die Angabe, wie weit die Keller in die Tiefe reichen – und der Tunneldecke bei mindestens 30 Metern. Von einer Gefahr für die Häuser kann keine Rede sein. Der Kirchholztunnel leitet den Verkehr um die Stadt Bad Reichenhall herum und ist weder eine Belastung noch eine Gefahr für Bayerisch Gmain.

Dennoch entwirft Benno Kittl ein Schreckenszenario. Der Tunnel würde durch ausgelaugtes Haselgebirge verlaufen und der Kirchholz sei von Erdfalten bzw. Dolinen nur so durchzogen. Es wundert überhaupt, dass nicht schon längst die Hälfte der Häuser auf der Anhöhe des Kirchholzes eingestürzt sind, denkt sich sicher mancher Leser. Womöglich haben sie einen besonderen Schutz von oben. Vom Verkehr ist die Region jedenfalls nicht belastet, und wird es auch mit dem Kirchholztunnel nicht sein. In Bad Reichenhall schaut die Sache freilich anders aus.

Und um nochmal auf die „wissenschaftlichen Ansprüche“ der Bayerisch Gmainer zu sprechen zu kommen: Die einzigen „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ bezüglich des Untergrundes sind aktuell und genau im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens erhoben worden und von geologischen Gutachtern. Und gerade sie sehen keine Gefahr. Freilich, wenn in Köln ein Stadtarchiv über einem Tunnel einstürzt droht den armen Bürgern von Bayerisch Gmain auf der Sonnenhöhe sicher das gleiche schreckliche Schicksal. Man muss um Leib und Leben fürchten in Bayerisch Gmain auf der Sonnenhöhe.

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