Der Stau am Gablerknoten in Bad Reichenhall

Wir haben aus aktuellem Anlasse einen Artikel vom 25. Oktober 2017 
’nach vorne gesetzt‘. Schuld am Stau sei jetzt eine Ampel und ein Kreisverkehr
in Piding. Nicht etwa das hohe Verkehrsaufkommen oder die fehlende
Entflechtung des Verkehrs. Unser Artikel bringt „Licht ins Dunkel“.

Berufsverkehr: morgens ab 5.30 schwillt der Verkehr an. Tausende von Pendlern aus dem Pinzgau strömen in Richtung Salzburg, der Landeshauptstadt mit Industrie und vielen Arbeitsplätzen. Auch der ‚kleine Berufsverkehr‘ in der Region, innerhalb des Berchtesgadener Landes, fließt und der LKW-Verkehr nimmt an Fahrt auf. Das gleiche Bild abends ab 15.30 Uhr. Wie ein magischer Punkt scheint der Gablerknoten bei Bad Reichenhall alle jene Verkehrsströme anzuziehen. Und es bilden sich Staus, zeitweise bis zu vier Kilometern, ganz um die Stadt herum.

Der Gablerknoten ein magischer Punkt?

Was ist los am Gablerknoten in Bad Reichenhall, ist er magisch? Nein, natürlich nicht. Er ist die Schnittstelle zweier Bundesstraßen (B20 & B21), liegt auf dem Weg zur Autobahn (A8) und zwischen Salzburg und dem Pinzgau ist die Strecke über das ‚deutsche Eck‘ die einzige direkte Verkehrsverbindung. Darum wurde der Gablerknoten vor 30 Jahren ausgebaut und in die ursprüngliche Planung hatte man die neue Streckenführung, eine Ortsumfahrung über den Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel, bereits mit einbezogen. Eine zeitnahe Realisierung aber hat zunächst der ‚Aufbau Ost‘ und später einflussreiche Kreise in Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain verhindert. So haben wir heute wieder Stau am Gablerknoten.

Zu kurze Einschleifer und kein vollendeter Ausbau

Begünstigt wird der Stau von den andauernden Grenzkontrollen und des viel zu kurzen Einschleifers, wenn man vom Walserberg kommend am Gablerknoten nach rechts in Richtung Piding einfahren möchte. Der Verkehrsfluss wird unterbrochen, an dieser Stelle vom Landratsamt aus zum dritten Mal. Das führt bei hohem Verkehrsaufkommen natürlich zu Rückstaus. Ändert eine Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel diese Situation und führt sie zu einem Ende der Staus am Gablerknoten in Bad Reichenhall? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Ursache und Wirkung für den Verkehrsstau

Auch hier gilt das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Ursache des hohen Verkehrsaufkommens haben wir bereits beschrieben. Das allein ist aber kein Grund für Staus. An der B20 / B21 ist die Straße bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h und einem Abstand von 30 Metern zwischen den Fahrzeugen mit etwa 1650 Fahrzeugen je Richtung und Stunde erreicht. Bei störungsfreiem Verkehr entstehen aber selbst dann keine Stauungen. Auf der B20 und B21 in Bad Reichenhall aber haben wir einige ganz massive Störungen in Form von Einmündungen und Zubringern. Bei einer Ortsumfahrung über den Kirchholz- und Stadtbergtunnel entfallen diese gänzlich. Der Verkehr kann frei fließen, womöglich auch in einer etwas höheren Geschwindigkeit von 80 km/h. Die Staus auf der jetzigen Umgehungsstraße von Bad Reichenhall sind dann Geschichte. Ein ‚Abkürzer‘ über das Leopoldstal wird zur längeren Strecke und entfällt ebenfalls völlig.

Aktuell fährt alles „auf einer Strecke“ in dem kurzen Teilstück vom Landratsamt zum Gablerknoten: Der Salzburger Durchgangsverkehr (Pinzgau/ Salzburg), der Transitverkehr (Salzburg/ Tirol), der (Berufs-) Verkehr aus der Stadt Bad Reichenhall, ob nach Piding oder Salzburg – alles auf einer Strecke. Und zuletzt auch noch „die Abkürzer“ über die Teisendorfer Straße. Das kann nur zu langen Staus führen und hat mit einer Ampelanlage in Piding nur sehr wenig zu tun. Und dem Ganzen ‚eins oben auf‘ setzen noch die Einschleifer vom Walserberg kommend.

Was ändert eine Ortsumfahrung Kirchholztunnel?

Wichtig dabei ist eine gute Gestaltung des Gablerknotens. Hier hat das Straßenbauamt in der Planfeststellung sehr großzügige Abschleifer und Zubringer vorgesehen, evtl. noch mit Optimierungs-Potential. Der Verkehrsfluss nach Piding und Salzburg jedenfalls ist dann gegeben. Wer nachrechnen möchte, findet hier die entsprechende Formel.

Um ein Staurisiko zu ermitteln kann die Kapazitätsgrenze einer Straße recht gut ermittelt werden. Diese ergibt sich aus gefahrener Geschwindigkeit v und Verkehrsdichte k. Z.B. in der Loferer Straße fahren die Autos im Idealfall 60 km/h, halten einen Sicherheitsabstand von 30 m bei einer durchschnittlichen Fahrzeuglänge von 6,50 m (geschätzt). Daraus ergibt sich eine Verkehrsdichte von 1000 / (30 + 6,50) = 27 KfZ / km. Die Verkehrsstärke errechnet sich dann aus k * v also 27 KfZ / km * 60 km / h = 1644 Kfz / Stunde (pro Richtung) oder 39.450 KfZ in 24 Stunden. Rechnet man mit einem Abstand von 20 Metern (dichter Verkehr) und einer Fahrzeuglänge von sechs Metern, ergibt sich eine Verkehrsstärke von 38 Fahrzeugen bei 60 km/h -also 2280 KFZ/Stunde.

Eine hohe Verkehrsstärke erhöht das Staurisiko, führt aber nicht zwangsläufig zu mehr Stau. Wenn die Vekehrsführung störungsfrei (z.B. durch einen Tunnel) ist, dann führt auch Verkehr an der Kapazitätsgrenze nicht zu einem Stau im Gegensatz zu einer Straße mit permanenten Abfahrten, Einmündungen, Geschwindigkeitsänderungen, Ampeln oder Baustellen.

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