Bei dem Verkehr liegen die Nerven blank

Es kann schon mal passieren, dass bei dem Verkehr in Bad Reichenhall mit täglich bis zu 40.000 Fahrzeugen die Nerven blank liegen. Der Verein „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ (Pro-Reichenhall) setzt sich darum für eine schnelle Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholztunnel ein. Vom Bund in den letzten 40 Jahren ganze sieben Mal genehmigt, von der Stadt Bad Reichenhall selbst, von wirtschaftlich und politisch einflussreichen Personen und auch vom Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, mehrfach behindert. Die Nerven aber liegen jetzt selbst bei den Bewohnern der Stadt blank, die mit dem Verkehr bzw. der daraus resultierenden Belastung für Mensch, Gesundheit und Umwelt nichts zu tun haben.

Marzoll und Weissbach vom Verkehr bedroht?

Auf die jüngste Aktion des Vereins Pro-Reichenhall.de schreibt ein Anonymer, dass es für Bayerisch Gmain, Weißbach und Marzoll um Gesundheit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Lebensraum, Immobilie und Zukunft gehe. Es ist den betroffenen Bewohnern an der B20 und B21, vom Leopoldstal bis nach Karlstein, gar nicht bekannt, dass es sich in Bayerisch Gmain, Weißbach und Marzoll so schlecht lebt, gelten diese Wohngegenden doch bis dato als bevorzugt. Gerade hier ist man seit über 40 Jahren n i c h t von dem hohen Verkehrsaufkommen betroffen. Auch bei einer gescheiterten Bürgerbefragung (mangels Masse) waren es vor allem die Ansässigen aus der ehemaligen Gemeinde Marzoll, die sich mit einer großen Mehrheit gegen eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall ausgesprochen haben.

Was treibt jene Menschen um, die sich in persönlich beleidigender und diffamierenden Weise so lautstark und anonym an den Verein Pro Reichenhall wenden, etwa mit dem Satz: „Sie und ihr sinnlos propagierender Verein, für den Sie auch noch 20 Euro Beitrag kassieren wollen, ist schon besonders lächerlich und Natur-Vernichtend !!!“ – den Wortlaut des Schreibens finden Sie am Ende des Artikels.

Transitverkehr und Berufsverkehr bleiben unverändert

Sind Weissbach, Marzoll oder Bayerisch Gmain besonders stark betroffen, wenn nach 40 Jahren endlich die Ortsumfahrung Kirchholztunnel realisiert wird? Die B21 wird vom Gablerknoten bis zum Walserberg auch mit Kirchholztunnel nicht stärker belastet sein. Warum sollte der Verkehr hier mehr werden? Sind auf einmal mehr Pendler unterwegs, die täglich zwischen dem Pinzgau und Salzburg zur Arbeit fahren? Oder wächst auf einmal der Transitverkehr zwischen Tirol und Salzburg, weil es jetzt einen Kirchholztunnel gibt und man damit zwei Minuten Fahrzeit spart? Die einzig mögliche Antwort darauf lautet NEIN! Warum aber die Marzoller jenen 3000 direkt vom täglichen Verkehr betroffenen Bewohnern eine Entlastung verweigern oder auch der Innenstadt von Bad Reichenhall weiter ein viel zu hohes Verkehrsaufkommen zumuten, ist nicht verständlich, nicht zu begründen und darüber hinaus eine Zumutung gegenüber der Stadt Bad Reichenhall.

Ein Protest aus Weissbach macht noch viel weniger Sinn, denn gerade dieser kleine Ortsteil leidet unter den Ausweichverkehr durch das Leopoldstal. Mit dem Navi findet und kennt mittlerweile jeder weitgereiste Tourist diese Route. Der Kirchholztunnel bringt gerade für diesen Ortsteil eine starke Entlastung. Auch im weiteren Streckenverlauf durch das Leopoldstal und durch das Zentrum von Bayerisch Gmain entlastet der Kirchholztunnel.

Die leidende Bevölkerung von Bayerisch Gmain

Der Golling in Bad Reichenhall bleibt auch mit einer Ortsumfahrung Kirchholztunnel erhalten. Foto: gsp

Und natürlich unterstellt der Anonyme, dass auch die Bayerisch Gmainer – Zitat: „Ihr seid euch wohl nicht im Klaren, was das für die andere Seite der Stadt bedeutet“ – einmal mehr wieder ganz furchtbar unter den Folgen eines Kirchholztunnels leiden würden. Betroffen seien 60 Häuser bzw. Grundeigentümer, unter deren Grundstück in einer Tiefe von 30 bis 60 Meter der Kirchholztunnel verläuft, wird argumentiert. Die Beeinträchtigung an Verkehr, Lärm und Abgase ist für diese armen Bayerisch Gmainer gleich NULL! Und selbst für einen möglicherweise nötigen Grundbucheintrag werden die so armen Bewohner in Bayerisch Gmain finanziell entschädigt.

Was bleibt, ist der Golling. Dazu haben wir in einem unserer letzten Artikel bereits ausführlich Stellung genommen. Betroffen ist das untere Drittel, der schattigste Bereich, der keinen hohen Freizeitwert besitzt und auch heute bereits vom Verkehr auf der Berchtesgadener Straße betroffen ist. Um es mit den Worten des anonymen Schreibers zu sagen: „Es (der Kirchholztunnel) ist äusserst Flächen-Vernichtend, die letzten GRÜNEN FLÄCHEN der eingekesselten Stadt Bad Reichenhall!“

Gablerknoten und Kirchholztunnel

Die letzten „grünen Flächen“ der Stadt sind wenn, dann überhaupt, in den letzten 40 Jahren entlang der Münchner Allee verbaut worden. Mit Immobilien lassen sich eben bis heute immer noch die besten Geschäfte machen und jede „freie grüne Fläche“ weckt Begehrlichkeiten. Das aber trifft bei der Ortsumfahrung von Bad Reichenhall nicht zu, denn sie verläuft zu 80 Prozent im Tunnel. Die meisten „grünen Flächen“ in Bad Reichenhall sind übrigens in Marzoll zu finden. Daran wird auch ein Kirchholztunnel nichts ändern. Selbst einzelne betroffene Bauern haben ihren Hof mit dem Ausbau des Gablerknotens dank einer großzügigen Entschädigung neu erbauen können. Ihnen war von Anfang an klar, dass der Kirchholztunnel aller Wahrscheinlichkeit nach kommen wird, denn der Gablerknoten wurde bereits als Teil des Ausbaus einer Ortsumfahrung konzipiert. Und eine „Einkesselung der Stadt Bad Reichenhall“ erfolgt allenfalls heute – und seit 40 Jahren – durch eine permanent starke und steigende Verkehrsbelastung.

Was bleibt noch zu sagen zu unserem erbosten und anonymen Schreiber? Ihm schwebt ein Tunnel vom Aufham durch den Staufen vor. Tunnelaustritt dürfte dann wohl irgendwo auf den Wiesen vom Nonner Oberland sein. Warum der Transitverkehr oder die Berufspendler dann diesen Umweg in Kauf nehmen sollten, wird aus der angebotenen Lösung nicht ersichtlich.

Alternativen täuschen die Bürger

Ebenso haben sich alle anderen Ideen und so genannte „Alternativen“ zum Kirchholztunnel in den letzten 40 Jahren als völlig unrealistisch erwiesen. Gleiches Schicksal wird der so genannte Auentunnel teilen, selbst wenn es kein Geringerer als der Industrielle Max Aicher ist, mit seinen ihm verpflichteten Politikern und all seinem Einfluss, der versucht das Projekt mit aller Härte durchzudrücken. Recht und Gesetz haben – Gott sei Dank – auch für Politiker und Industrielle ihre Gültigkeit.

Die große Tragik, die Leid-Tragenden sind in diesem traurigen Spiel die betroffenen Menschen und zunehmend auch Gäste der Stadt Bad Reichenhall, die sich neuerdings gerne als „Lebenswerte Alpenstadt“ präsentiert. Wenn sie das tatsächlich sein möchte, so müsste sie sich dringend für die längst fällige Ortsumfahrung von Bad Reichenhall einsetzen. Statt dessen mauert, verhindert und blockiert sie die vom Freistaat Bayern und vom Bund genehmigte Ortsumfahrung und setzt die Zukunft des Staatsbades auf’s Spiel!, denn der Transitverkehr und auch der Salzburger Berufsverkehr rollen weiter, mit bis zu 4000 LKW täglich. Willkommen im Staatsbad Bad Reichenhall.

 

Der anonyme Brief im Wortlaut:

Herr Spranger,

es geht um u n s e r e Gesundheit, u n s e r Wohlbefinden, u n s e r e Lebensqualität, u n s e r e n Lebensraum, u n s e r e Immobilie, u n s e r e Zukunft in
Bayerisch Gmain – Weißbach – Marzoll !

Sie und ihr sinnlos propagierender Verein, für den Sie auch noch 20 Euro Beitrag kassieren wollen, ist schon besonders lächerlich und Natur-Vernichtend !!!

Sparen Sie sich die Kosten für diese Kampagne !
Ihr seid euch wohl nicht im Klaren, was das für die andere Seite der Stadt bedeutet.

Es ist äusserst Flächen-Vernichtend, die letzten GRÜNEN FLÄCHEN der eingekesselten Stadt Bad Reichenhall ! Es ist weder Kirchholztunnel noch Auentunnel die zufrieden stellende Lösung.

Es sollte ganz einfach die unter den Tisch gefallene Lösung von damals – die bereits hinter dem Staufen bei Aufham verlaufen sollte – wohl am besten geeignet, um die Stadt komplett zu entgehen!

Unterlassen Sie in Zukunft ihre utopischen Vorstellungen / Fantasien – sind nicht gefragt !

(Wir wollen a l l e keinen Großstadtcharakter hier haben)

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