Auentunnel: das große Schweigen

In Bad Reichenhall ist es ruhig geworden, was einem Staatsbad ja gut bekommt. Aber leider herrscht dieses Schweigen eher beim Rathaus in Bad Reichenhall. Täglich nämlich donnern bis zu 40.000 Fahrzeuge – darunter bis zu 4.000 LKW’s – durch die Kurstadt Bad Reichenhall. Staatsbad adé, „lauter ist es nur am Stachus“, meinte kürzlich ein Gast aus München.

Das große Schweigen in Bad Reichenhall. Welche Pläne verfolgt Dr. Herbert Lackner und Max Aicher?

Die Stadt hat ‚in Sachen Verkehr‘ gründlich gearbeitet und gleich nach der Aufnahme der Ortsumfahrung Kirchholztunnel in den ‚Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2030‘ ein eigenes Projekt dagegen gehalten. Intensive Vorarbeit und Unterstützung hat dabei der Industrielle Max Aicher geleistet, der in Bad Reichenhall längst ein großer Investor geworden ist und dabei seine eigenen Geschäfte verfolgt.

Oberbürgermeister kämpft gegen die genehmigte Ortsumfahrung Kirchholztunnel

Entschieden stimmte Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner im Oktober 2017 im Stadtrat für eine Prüfung eines Auentunnels und sorgte mit seiner Stimme für die knappe Mehrheit von 13 : 11 Stimmen. Selbst in einem Vorwort der Stadt sprach sich der Oberbürgermeister für den Auentunnel aus und verwies auf angebliche Schwierigkeiten beim Kirchholztunnel, was der Bund, der Freistaat Bayern, das Straßenbauamt Traunstein und selbst Landrat Georg Grabner völlig anders sehen und verstehen. Er beeinflusste damit schon einmal vorab die Abstimmung im Stadtrat.

Wo bleibt die ‚Detaillierte Planungsskizze‘ der Stadt?

Die letzten acht Monate aber ist es ruhig geworden ‚um die Idee eines Auentunnels‘. Die Vorgabe des Staatlichen Straßenbauamtes Traunstein, nach einer detaillierten Planungsskizze mit genauem Streckenverlauf, Höhenangaben und der Anbindung des nachgeordneten Straßennetzes, scheint der Stadt Bad Reichenhall schwer im Magen zu liegen. Will man sich nicht so genau festlegen, mit den hässlichen Tatsachen an die Öffentlichkeit gehen. Etwa damit, dass ein Auentunnel mit Erdaufschüttung wohl bis zu zwei, drei Meter aus dem Boden ragt und damit die Au jenseits der Saalach von der Stadt abschneidet, ein drei Kilometer langer Wall entsteht.

Oder aber, dass mit dem Einschleifen des geplanten Auentunnels auf die bestehende Umgehungssstraße (auf Höhe Reichenbachstraße) diese Entlastungsstraße, etwa bei einer Sperrung des Tunnels, völlig entfällt. Auch macht dann ein Einbiegen von der Kurfürstenstraße, Friedich-Ebert-Allee, Traunfeldstraße und Vogelthennsttraße auf die Umgehungsstraße zur Entlastung der Innenstadt nur noch wenig Sinn, denn die direkte Verbindung zur geplanten Ortsumfahrung Auentunnel dürfte über den Salinenkreisel führen. Der ganze Verkehr konzentriert sich dann verstärkt auf die Innenstadt von Bad Reichenhall.

Kommt jetzt das Planungsbüro von Max Aicher zum Zug?

Das große Schweigen der Stadt Bad Reichenhall könnte auch damit zusammen hängen, dass die Verwaltung mit einer detaillierten Projektskizze, wie vom Straßenbauamt Traunstein angefordert, einfach überfordert ist. Muss Sie dazu eine eigenes Planungsbüro beauftragen? Etwa jenes Büro, das bereits für Max Aicher die Pläne angefertigt hat? Kann und darf die Stadt das am Stadtrat vorbei vergeben? Wie hoch sind die Kosten dafür, wie sieht der Zeitplan aus?

Fragen und Problemstellungen, über die die Bürger von Bad Reichenhall auch im Sommer 2018 nichts von der Stadt erfahren werden. Selbst im Stadtrat ist dazu in der aktuellen Junisitzung nichts vorgesehen. Bürgerinformation und Demokratie gestalten sich auf jedem Fall anders, ganz anders. Was haben die Stadt Bad Reichenhall, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Max Aicher im Sinn?

Landrat Georg Grabner findet dazu eindeutige Worte: 

„Ich bin persönlich ebenfalls seit langem der Meinung, dass das Projekt Kirchholz- und Stadtbergtunnel unter allen bislang diskutierten Lösungsmöglichkeiten die beste ist. Sollte dieses Projekt in nächster Zeit nicht konkret angegangen werden, fürchte ich, dass eine Entlastung von Bad Reichenhall auf den „Sanktnimmerleinstag“ verschoben wird.“

Damit haben die Gegner der genehmigten Ortsumfahrung Kirchholztunnel (SPD / Grüne / Bürgerliste) ihr Ziel erreicht und die CSU hat sich mit dem Prüfauftrag „Auentunnel“ für ihre Zwecke missbrauchen lassen. Die Bürger von Bad Reichenhall haben auch nach fast 50 Jahren das große Nachsehen. Der Verkehr bleibt im Tal und es wird keine Ortsumfahrung und keine Entlastung beim Verkehr geben. Es lebe das Staatsbad für Erkrankung der Atemwege!

2 Kommentare

  1. […] Jüngst schrieb mir ein CSU-Sprecher, dass man „objektive Kritikpunkte der Gegner“ ernst nehmen müsse. Welche „objektive Kritikpunkte“ allerdings gegen eine Ortsumfahrung Kirchholztunnel sprechen sollen, diese Antwort bleibt der junge CSU-Mann bis heute schuldig. Man ist eben auch hier Faktenresistent und greift lieber zu dem Strohhalm eines von dem Industriellen Max Aicher initierten Planes eines Auentunnels. Was es damit aktuell auf sich hat, lesen Sie in unserem letzten Beitrag „Das große Schweigen beim Auentunnel“. […]

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