Faktenresistenz und ein wir sind dagegen

Bei jungen Menschen ist sie ausgeprägt, die Protesthaltung eines „wir sind dagegen“. Auf hoher politischer Ebene hält man es eher mit einem „wir schaffen das“. Beide Geisteshaltungen entbehren mitunter die Nähe zur Realität, denn ein beständiges „Dagegen sein“ behindert jeden Fortschritt, auch den eigenen. Ein ewiges „wir schaffen das“ ist nicht flexibel genug, um nachhaltig auf Probleme zu reagieren. In Bad Reichenhall sind beide Strömungen zu finden.

Seit 50 Jahren aus Prinzip dagegen

Der Bund, der Freistaat, die zuständige Baubehörde und selbst das Landratsamt haben sich längst für eine Lösung des Verkehrsproblems in Bad Reichenhall, nämlich der Ortsumfahrung Kirchholztunnel, ausgesprochen. Einflussreiche Kreise halten aber an ihrem „wir sind dagegen“ seit 50 Jahren fest. Aus sachlichen Gründen, anhand von Zahlen, Verkehrserhebungen und zum Schutz der Bürger und der Stadt Bad Reichenhall, des Staatsbades, ist diese Lösung mit Abstand als die beste bewertet worden, und das mehrfach. Allein die Stadt Bad Reichenhall – und jüngst leider auch eine Mehrheit bei der CSU – stemmen sich mit Kräften dagegen. Eine angenehme Ausnahme bildet bis heute allein die FWG.

Die Gesundheit der Anwohner zählt nichts

Gern zeigt man sich in Bad Reichenhall umweltbewusst, zählt Blumen, Gräser und Bienen auf der grünen Wiese. Völlig ungerührt aber setzt man täglich einige tausend Anwohner und Gäste einem Verkehrsaufkommen von bis zu 40.000 Fahrzeugen aus. Man mauert, blockiert und verhindert in Bad Reichenhall eine längst genehmigte Ortsumfahrung Kirchholztunnel.

„Wir sind dagegen“ klingt es seit Jahrzehnten von SPD, Grüne und jüngst auch von der Bürgerliste. Ja, dagegen sein scheint gut, das Feindbild klar umrissen. Aber was ist mit dem Verkehr, mit der Stadt Bad Reichenhall? Hilft ein „dagegen sein“ in irgend einer Weise weiter? Nein, es verfestigt einen Zustand der permanenten Verkehrsbelastung, setzt die Stadt und deren Bürger und Gäste einen täglichen Verkehrswahnsinn von bis zu 40.000 Fahrbewegungen aus. Man ist aber ganz grundsätzlich dagegen, diese Situation zu ändern.

Resistent gegen alle Fakten

„Wir brauchen Alternativen“, heißt es, doch wo sind sie? Die SPD plädiert seit 50 Jahren dafür. Ihre angebotene Alternative einer Tieferlegung im Bestand wurde zuletzt im Planfeststellungsverfahren von 2011 untersucht und von den Experten verworfen. Den Verkehr auf die Schiene zu verlagern ist hier auf der B20 / B 21 ebenso unrealistisch. Man ist aber weiterhin prinzipiell dagegen, Faktenresistenz. Den roten Genossen scheint an einem „weiter so, wir schaffen das“, gelegen zu sein. Ebenso den Grünen oder der Bürgerliste, denn die Verkehrsströme bewegen sich ja außerhalb des ehemaligen Gemeindegebietes von Marzoll. Das würden sie zwar auch bei der Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholztunnel, doch auch hier gibt es ein prinzipielles Dagegen.

Fakenews aus der Gerüchteküche

„Wer weiß, vielleicht kommt dann ja auch der Autobahn-Vollanschluss am Walserberg,“ unken einige Gemüter. Der aber kommt oder kommt nicht, ganz unabhängig von der Realisierung einer Ortsumfahrung von Bad Reichenhall, ist die klare Auskunft des Staatlichen Bauamtes in Traunstein. Aber wen interessieren schon Fakten? Wen interessieren schon tägliche Staus und bis zu 40.000 Fahrbewegungen, wenn das eigene Häuschen vier Kilometer weiter im Grünen steht? Feinstaub, Lärm, Gesundheitsschäden … ? … noch nie gehört. Faktenresistent.

Gegen jede Vernunft und aus Prinzip dagegen

Und apropos Feinstaub, der soll sich ja bei der Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholztunnel dann in einer dunklen giftigen Wolke über der Anhöhe des Kirchholz erheben und von dort quasi direkt seinen Weg in die Gärten und Schlafzimmer der armen Marzoller finden. Alternative Fakten oder Fakenews nennt man das heute, doch damit wird Stimmung gemacht. Die echte Faktenlage ist eine ganz andere und beruht auf Fachgutachten. Der zulässige Grenzwert wird bei der Entlüftung des Tunnels unter einem Prozent liegen, also im Promillebereich. Darüber hinaus wird die Abluft in einer Höhe von 75 Meter über den Kirchholz, also rund 175 Meter über dem Reichenhaller Tal verblasen. Aber einmal mehr zeigt man sich als faktenresistent.

Es gibt keine objektiven Kritikpunkte

Jüngst schrieb mir ein CSU-Sprecher, dass man „objektive Kritikpunkte der Gegner“ ernst nehmen müsse. Welche „objektive Kritikpunkte“ allerdings gegen eine Ortsumfahrung Kirchholztunnel sprechen sollen, diese Antwort bleibt der junge CSU-Mann zunächst schuldig, wir werden das Thema aber weiter verfolgen. Ist man auch hier faktenresistent und greift lieber zu dem Strohhalm, eines von dem Industriellen Max Aicher initiierten Planes eines Auentunnels. Was es damit aktuell auf sich hat, lesen Sie in unserem letzten Beitrag „Das große Schweigen beim Auentunnel“.

Beim Auentunnel jedes Maß verloren

Beim Auentunnel scheinen dann auf einmal alle Dämme zu brechen. SPD, Grüne und Bürgerliste stimmen fast einstimmig für eine Untersuchung des Projektes. Und das, obwohl im Vorfeld bereits der enorme Eingriff in die Umwelt, mit einer großflächigen Zerstörung der wenigen noch existierenden Reste des Auwaldes an der Südseite der Saalach deutlich sind. Obwohl im Vorfeld vom Innenministerium über das Staatliche Bauamt bis hin zum Verwaltungsjuristen und ehemaligen Bürgermeister Wolfgang Heitmeier gewarnt wurde. Dass SPD und Grüne einem CSU-Bundestagsabgeordneten und Ex-Verkehrsminister wie Dr. Peter Ramsauer keinen Glauben schenken wollen, mag noch verständlich sein. Obwohl der Schaden einer Ortsumfahrung Auentunnel an der Umwelt deutlich höher ist, als im Vergleich zum Kirchholztunnel, spielt auf einmal alles keine Rolle mehr. Wohlüberlegt hat sich der Bund Naturschutz erst nach der Abstimmung im Stadtrat klar gegen den Auentunnel ausgesprochen. Aber wen wundert es? Aus Prinzip dagegen und „wir schaffen das“, eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall ein für alle mal zu verhindern.

Wem aber ist damit geholfen? Eine Entlastung der Innenstadt um täglich 5000 Fahrzeuge findet nicht statt. Auch eine Reduzierung des Verkehrs um täglich bis zu 5000 Fahrzeuge im Leopoldstal, ebenso bleibt der Ausweichverkehr über Karlstein und Thumsee. Ganz zu schweigen von bis zu 4000 LKW, die täglich auf der Loferer Straße fahren. Der Missstand in Bad Reichenhall bleibt. Es könnte auch ganz anders sein, doch Bad Reichenhall wehrt sich dagegen.

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