Und dann den Deckel drauf!

Ja, es ist ganz einfach. Eine Sache irgendwie zu Ende bringen, und dann den Deckel drauf. Fertig, abgeschlossen, weggesperrt – endlich! Hauptsache ‚Deckel drauf‘ und endlich Ruhe. Ob falsch oder richtig ist egal, alles rein in die Kiste und Deckel drauf. So reagiert nicht nur der Unverstand, sondern auch Kommunalpolitiker in Bad Reichenhall, wenn es um eine Ortsumfahrung geht.

Ein „Plan B“ geistert durch die Köpfe

Langsam dämmert es ihnen, dass eine Umfahrung ‚Auentunnel‘ über die Saalachauen, in direkter Nähe zum Gebirgsfluss Saalach, keine Chance auf Realisierung hat. Doch das sei nicht weiter schlimm. Denn längst haben grüne und rote Genossen den Plan B in der Schublade. Die Sache sei doch ganz einfach zu lösen. Die bestehende Entlastungsstraße vierspurig ausbauen, tieferlegen und ‚Deckel drauf‘. Der Unverstand regiert, denn diese Idee ist nicht neu und noch dümmer, als eine Ortsumfahrung über einen so genannten Auentunnel bauen zu wollen.

Melleck, Unken, Lofer, Mitterhofen oder Zell am See. Sie alle haben ihr Verkehrsproblem mit einem Tunnel gelöst, teilweise seit Jahrzehnten. Keiner möchte ihn heute mehr missen. Es ist die beste Lösung für eine Stadt, und auch die umweltverträglichste. Das gilt auch für die Ortsumfahrung von Bad Reichenhall, das gemessen an den Einwohnern und betroffenen Bürgern, soviel wie alle anderen ‚Tunnelgemeinden‘ auf sich vereinigt.

Keine Entlastung des Verkehrs

Die jetzige ‚Entlastungsstraße‘ ist längst an ihre Grenzen gestoßen, was tägliche Staus mehr als genug belegen. Ändern wird daran auch ein Tunnel nichts, durch Tieferlegung mit Deckel drauf. Ebenso wenig die vom Unternehmer Max Aicher beschworene angeblich notwendige Ausbau auf vier Spuren, denn dann müsste man schon vierspurig bis Piding – also auch über die Saalach und den Gablerknoten hinweg – ausbauen.

Tierferlegung Ortsumfahrung Bad Reichenhall

Eine Tieferlegung der jetzigen Umgehungsstraße würde sämtliche dort einmündende Straßen (Häusl-, Vogelthenn-, Traunfeldstraße) mit ihren Zufahrten abschneiden. Der Verkehr verlagert sich dann noch mehr in die Innenstadt und gerade das soll durch eine Ortsumfahrung Bad Reichenhall vermieden werden. Denkt man die Sache zu Ende, würde sich auch zwischen Landratsamt und Gablerknoten nichts ändern. Ebenfalls bliebe die problematische Situation in Karlstein und durch das Leopoldstal hindurch bis nach Bayerisch Gmain bestehen.

Rückstau in den Tunnel

Der Einschleifer aus der Stadt in die B20 / B 21 bliebe bestehen, ebenso der Einschleifer von der Teisendorfer Straße (Bichlmaier) kommend. Auch der vom Walserberg kommende Ausweichverkehr am Gablerknoten bliebe unverändert. Damit wäre der ‚Verkehrsfluss‘ mehrfach unterbrochen und es käme weiterhin zu den Rückstaus, wie wir sie in Bad Reichenhall ja leider oft erleben müssen. Diesmal aber würden die Rückstaus in einen Tunnel führen, in dem sich die Abgase sammeln, ob zweispurig oder vierspurig.

Staatliches Bauamt Traunstein spricht Klartext

Zu guter Letzt: In dem Erläuterungsbericht des Staatlichen Bauamtes Traunstein zur Planfeststellung vom 08. Mai 2011 wurde sowohl eine Tieferlegung der bestehenden Straße, wie ein vierspuriger Ausbau bereits untersucht. Es heißt dort wörtlich zu einem vierstreifigen Ausbau:

„Für den vierstreifigen Ausbau sind große Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet Saalachaue, verbunden mit dem Aufreißen des schmalen Waldmantels entlang der Saalach, notwendig. Für die erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen ist ein durchgehender Lärmschutzwall mit aufgesetzter Lärmschutzwand zur Stadt Bad Reichenhall erforderlich.“ Ebenso wird auf auf „schwerwiegende Eingriffe in die Eigentumsverhältnisse der nördlich bestehenden B20 / B21 gelegenen Bebauung“ verwiesen.

Einhausung vollständig unter Hochwassermarke

Zu einer Einhausung nimmt das Bauamt wie folgt Stellung:
„Die etwas zwei Kilometer lange Einhausung liegt vollständig unter der Hochwassermarke der Saalach, sodass von sehr hohen Bau- und Unterhaltungskosten auszugehen ist. Zudem wird durch die Einhausung der Grundwasserabfluss in Richtung Saalach beeinträchtigt, mit der Folge des Aufstaus und somit möglicher Rückstaus in die Keller (und Tiefgaragen) der vorhandenen Bebauung. Weiterhin kommt die Tunnellüftung bodennah zur Ausführung, wodurch die Abluft nur schwer aus dem Talkessel, der ohnehin zu Inversionswetterlagen neigt, abzuführen ist.“ Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass „Lärmschutzmaßnahmen im Landschaftsschutgebiet errichtet werden müssen und die Stadt vom Naherholungsgebiet Saalachaue abschneiden.“

Warum eine Überdeckelung keinen Sinn macht

Dies sind die wesentlichen Gründe, die gegen eine Absenkung, Überdeckelung und einem vierstreifigen Ausbau einer Ortsumfahrung für Bad Reichenhall auf der bestehenden Trasse sprechen:

  • Verlagerung des Verkehrs in die Innenstadt
  • Situation im Leopoldstal bis Bayerisch Gmain und Karlstein bleibt problematisch
  • Der Verkehrsfluss wird vom Landratsamt bis Gablerknoten mehrfach unterbrochen
  • Der gesamte Verkehr mit seinen Abgasen bleibt unverändert im Tal
  • Lange Rückstaus in den Tunnel sind problematisch, da die Situation am Gablerknoten unverändert bleibt
  • Große Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet Saalachau
  • Schwerwiegende Eingriffe in die Eigentumsverhältnisse
  • Rückstau des Grundwassers in Keller und Tiefgaragen
  • Abschneiden der Stadt vom Naherholungsgebiet Saalachau
  • Und zu guter Letzt: diese Maßnahme hat das Staatliche Bauamt nach eingehender Prüfung bereits verworfen.

Es bleibt die Frage,

warum dann von einzelnen Stadträten die Bürger von Bad Reichenhall – wie beim Auentunnel – erneut in die Irre geführt und verunsichert werden. Was unternehmen die Stadträte von „Die Grünen“, „Bürgerliste“ und „SPD“ noch alles, um die genehmigte Ortsumfahrung Bad Reichenhall weiter zu verzögern und Bürger wie Gäste weiterhin einer viel zu hohen Verkehrsbelastung mit all ihren Nebenwirkungen auszusetzen. Sie nehmen damit bewusst eine Beeinträchtigung vieler tausend Menschen in ihrer Gesundheit und Lebensqualität in Kauf.

Vom Landratsamt über das Staatliche Bauamt in Traunstein, dem Bayerischen Innenministerium bis hin zum Deutschen Bundestag haben alle Behörden und Experten die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung bestätigt und dem Projekt Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel zugestimmt. Was ist los in Bad Reichenhall. Welches Spiel treiben Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und der Industrielle Max Aicher?

Zum Wohle der Stadt sieht anders aus

Von einem Oberbürgermeister und den Räten einer Stadt darf man einen energischen Einsatz für das Wohl der Stadt, seiner Bewohner und Gäste – zumal Bad Reichenhall ein Staatsbad ist – erwarten. Stattdessen duckt man sich ängstlich vor jedem angeblichen Einwand aus der Nachbargemeinde Bayerisch Gmain. Jüngst ist immer öfters die Rede davon, dass die neue Ortsumfahrung Kirchholztunnel ja hauptsächlich auf Bayerisch Gmainer Territorium verlaufen würde. Und damit wird der Eindruck vorgeschützt, dass diese Gemeinde besonders betroffen sei. Das aber ist völlig falsch, denn soweit es Bayerisch Gmain betrifft, verläuft die Umfahrung zu 90 Prozent im Tunnel. Damit ist Bayerisch Gmain vom Kirchholztunnel so gut wie überhaupt nicht betroffen, ganz im Gegenteil. Die Bewohner im Leopoldstal und im Zentrum profitieren in hohem Maße von einer Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel.

Advertisements

Ein Kommentar

  1. Es ist zum Haare raufen.Ich verstehe diese Stadträte und ihren Oberbürgermeister nicht.Sind ihnen die Bürger und Gäste total egal?Sind sie alle vom Herrn Aicher bestochen worden?Anders kann ich mir das nicht denken.Aber sie kriegen bei der nächsten Wahl schon noch ihr Fett ab.Da bin ich mir sicher.Ich wähle da keinen mehr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s