Keine Ortsumfahrung mit Manfred Hofmeister

Der Golling in Bad Reichenhall bleibt auch mit einer Ortsumfahrung Kirchholztunnel erhalten. Foto: gsp

Zu dem erklärten Gegner der Ortsumfahrung Kirchholztunnel zählt der zweite Bürgermeister von Bad Reichenhall, Manfred Hofmeister von der Bürgerliste Reichenhall – Bündnis 90/ Die Grünen. Daraus macht er auch in der April-Stadtratssitzung kein Geheimnis. Selbst angesichts des fundiert vorgetragenen Sachstandes durch die zuständige Behörde (Staatliche Bauamt Traunstein (StBaTS) im Variantenvergleich schreckt der Stadtrat nicht davor zurück mit ganz allgemein gehaltenen Phrasen die Ortsumfahrung Kirchholztunnel weiterhin abzulehnen. Da hätte sich das StBaTS eigentlich den ganzen Aufwand und die Mühe sparen können, denn Hofmeister selbst war einer der Initiatoren, die einen Vergleich der Varianten gefordert hatte. Nur dem Ergebnis verweigert er sich und mutet der Stadt Bad Reichenhall weiter das wachsende Verkehrschaos zu.

Manfred Hofmeister verweigert
eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall

Was also bringt der Ortsumfahrungs-Verweigerer Hofmeister vor? Wir waren selbst bei der Stadtratssitzung und haben gut zugehört. Er sprach vom Landschaftsschutz, Naturschutz, botanischer Vielfalt, vom Landschaftsbild und Flächenverbrauch. Alles spräche gegen einen Kirchholztunnel. Ist das wirklich so?

Legt man die Annahme zugrunde, dass Bad Reichenhall keine leistungsfähige Ortsumfahrung braucht, dann hat Hofmeister völlig Recht, was die kurze Strecke betrifft, die nicht im Tunnel verläuft. Es würde aber zugleich bedeuten, dass Bad Reichenhall weiterhin der vollen Verkehrsbelastung ausgesetzt ist, die Staus und der Verkehr auf der Umgehungsstraße, in der Innenstadt, in Karlstein, in Staufenbrücke und auch im Leopoldstal weiter zunehmen. Die Bürger und Gäste der Stadt Bad Reichenhall bezahlen es mit ihrer Gesundheit und Lebensqualität. Einzige Ausnahme ist der Ortsteil Marzoll. Er ist vom Verkehr nicht betroffen – bis auf die wenigen Häuser entlang der B21, die über keinen gut ausgebauten aktiven Lärmschutz verfügen. Hofmeister widerspricht auch allen Experten vom Landratsamt (Verkehrsgutachten), über das StBaTS, von der Bayerischen Staatsregierung bis hin zum Verkehrsministerium, die allesamt explizit mehrfach eine leistungsfähige Ortsumfahrung fordern.

Hinweise sind reinster Populismus

Geht man aber von der Annahme aus, dass Bad Reichenhall ganz dringend eine leistungsfähige Ortsumfahrung benötigt, so geht das ohne einen Eingriff in die Landschaft nicht. „Bade mich, aber mach mich nicht nass“ ist ebenso eine unsinnige Forderung wie der nötige Bau einer Ortsumfahrung ohne einen Eingriff in die Natur. Damit sind die Forderungen nach Landschaftsschutz, Naturschutz, geologischer Vielfalt, vom Landschaftsbild und Flächenverbrauch als Begründung einer Ablehnung einer Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel reinster Populismus und gehen an der Realität weit vorbei. Das StBaTS hat zudem ausführlich dargelegt, dass es eben gerade diese Ortsumfahrung ist, die den geringsten Eingriff in die Natur bedeutet. Selbst im Beschluss des Stadtrates ist der Landschafts- und Naturschutz ausdrücklich verankert. Doch Hofmeister bleibt davon unbeeindruckt und sagt weiter ‚Nein‘. Welche Interessen verfolgt er? Welche Interessen vertritt er? Die der Bürger von Bad Reichenhall jedenfalls nicht. Er hätte übrigens keine Probleme mit der Realisierung eines so genannten Auentunnels gehabt, war einer der Befürworter der Variante, bei der 8 bis 10 Hektar wertvoller Au- und Bergwald und noch viel wertvollere Infrastruktur zerstört worden wäre. Glücklicherweise hat das StBaTS diesem Unsinn aber ein Ende bereitet.

Ganz klar am Thema vorbei

Sein Konzept für Bad Reichenhall ist die Errichtung eines Lärmschutzes, nämlich auf einer Länge von 600, von 160 und von 400 Metern. Damit ist das Problem für den zweiten Bürgermeister gelöst, denn Bad Reichenhall hat ja offenbar keine Probleme, zumindest keine Verkehrsprobleme, zumindest in Marzoll nicht. Auch ist Hofmeister ein ausgemachter Experte wenn es um große Bauvorhaben des Bundes geht. Er spricht bei den Baukosten von 350 Millionen Euro. Das Staatliche Bauamt hatte zuletzt von 250 Millionen gesprochen. Offenbar aber weiß Herr Hofmeister mehr, denn er weiß darüber hinaus auch genau was so ein Lärmschutz kostet. 700 Euro der Quadratmeter gibt er an. Lärmschutz war zwar gar nicht Gegenstand der Tagesordnung, was kümmern solche Kleinigkeiten auch schon. Themaverfehlung und Note 6. Aber glücklicherweise sind wir ja nicht mehr in der Schule, sondern zweiter Bürgermeister von Bad Reichenhall.

Der Stadtrat kommt daher völlig zu Recht
zu seiner Grundsatzentscheidung pro Kirchholztunnel:

Die Stadt Bad Reichenhall bat das staatliche Bauamt Traunstein, die Planungen für den Kirchholz- und Stadtbergtunnel unverzüglich wieder aufzunehmen. Alle möglichen Optimierungsmaßnahmen, insbesondere hinsichtlich des Landschafts- und Naturverbrauchs müssen umgesetzt werden.

Bleiben Sie dran: Wir sehen uns die Argumente der Verweigerer einer Ortsumfahrung für Bad Reichenhall weiter an. Am Wochenende folgt ein Leserbrief zum ausführlichen Bericht über die Stadtratssitzung im Reichenhaller Tagblatt.

Ein Kommentar

  1. Die Ortsumfahrung Reichenhalls, für die nach deutlicher Feststellung der Fachbehörde nur der geplante Kirchholztunnel, gleich, in welcher Ausfürung in Beracht kommt, ist im Interesse der Bevölkerung der Stadt, ihrer Kurbetriebe und der sie besuchenden Kurgäste ein umso dringenderes Anliegen, als die Gesundheitsschädigungen durch Feinstaub und allgemein Atemluftverschmutzung offenbarer wird.
    Ich fordere den Rücktritt aller Bürgermeister und Stadträte, die sich nicht nachhaltig für die schnellstmögliche Verwirklichung des Bauvorhabens einsetzen. Wer von Lokalpolitikern sich sogar gegen das Vorhaben stellt, sollte sein Amt sofort zur Verfügung stellen.

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