Mobilitätskonzept fordert Kirchholztunnel

Vor wenigen Tagen hat der Landkreis Berchtesgadener Land ein Mobilitäts-Konzept präsentiert. Es wurde vom November 2016 bis März 2018 erstellt und benennt auf 523 Seiten viele Fakten, Zahlen und Entwicklungen im Landkreis, um der Frage nach besserer und auch umweltschonender Mobilität auf den Grund zu gehen. Dabei bescheinigen die Gutachter ein generell gutes Angebot von öffentlichen Verkehrsmitteln im Landkreis Berchtesgadener Land. Es wird gestützt durch den Salzburger PNV mit dem zentralen ÖV-Knoten in Freilassing. Im mittleren und südlichen Landkreis bildet die BLB das Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs.

Hohe Verkehrsbelastung und exogene Ursachen

Was bleibt ist „eine hohe Belastung im motorisierten Individualverkehr (MIV)“, heißt es in der Zusammenfassung. Die Situation im Landkreis sei durch wenige, dann jedoch stark belastete Verkehrswege geprägt. Das Gutachten spricht dabei auch ‚exogene Ursachen‘ für die hohe Verkehrsmengen an. Es meint damit den Transitverkehr mit einem hohen LKW-Anteil auf dem kleinen deutschen Eck und den Ausweichverkehr vor den punktuellen Grenzkontrollen.

Klares Ja zu Kirchholztunnel

Deutlich wird das Gutachten ab Seite 324 wenn es um den Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel als eine leistungsfähige Ortsumfahrung für Bad Reichenhall geht. Es kommt zu dem Schluss, dass „aus verkehrlicher Sicht der Planfall weiterzuverfolgen ist und eine rasche Umsetzung anzustreben.“ Das Gutachten verweist in der Notwendigkeit auf eine„Entlastung des Stadtgebietes von Bad Reichenhall von Verkehr und den damit verbundenen Lärm- und Schadstoffemissionen“. Weiter führt es an Vorzügen aus:

  • Entlastung der bestehenden Bundesstraße 20 / B 21 vom Schwerverkehr
  • eine„Entlastung des Stadtgebietes von Verkehr sowie Lärm- und Schadstoffemissionen
  • Trennung des Ziel- und Quellverkehrs vom Durchgangsverkehr
  • Entlastung der Kreisstraße BGL 4 von Verkehr und den damit verbundenen Lärm- und Schadstoffemissionen
  • Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs (Beseitigung der Unfallhäufungsstrecke UH 23, Reduzierung der Umwegigkeit, etc.)“

Ergänzen kann man mit dem Ausweichverkehr über Karlstein und Thumsee, und dem starken Ausweichverkehr durch Staufenbrücke (Frühlingsstraße), die mit der Umfahrung ebenfalls entfallen würden.

In Zahlen führt das Gutachten die Entlastung auf einer Grafik wie folgt aus:

  • Minus 4.400 Fahrzeuge auf der Loferer Straße (jetzige Umfahrung) inkl. LKW-Verkehr
  • Minus 6.300 Fahrzeuge für die Innenstadt von Bad Reichenhall
  • Minus 700 Fahrzeuge durch Karlstein
  • Minus 2.300 Fahrzeuge durch das Leopoldstal
  • Minus 1.000 Fahrzeuge durch Marzoll

Eine Zunahme würde auf dem kurzen Stück vom Knoten Mitte (Golling) bis zum Ortseinfahrt von Bayerisch Gmain (Knotenpunkt mit der BGL 4) entstehen, da die Abkürzer durch das Leopoldstal jetzt auf diese Strecke gelenkt werden.

Das Gutachten können Sie hier downloaden

Zahlenspiele des Gutachtens

Das Mobiliätsgutachten des Landkreises Berchtesgadener Land kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass ein Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel für den Landkreis unbedingt nötig ist. Und das, obwohl es zeitweise mit „beschönigten“ Zahlen arbeitet, die den Gegebenheiten ‚vor Ort‘ nicht gerecht werden, denn die tatsächliche Belastung liegt deutlich höher.

Auf Seite 97 wird bei der ‚Erfassung des Ist-Zustandes‘ auf der B20 / B21 eine Verkehrsbelastung von 20.000 plus 11.000 zugrunde gelegt. Das sind in Summe 31.000 Fahrbewegungen. Beide Zahlen finden sich auch in der Tabelle auf Seite 21 mit dem Zusatz ‚DTV / Kfz.24h‘ und einem LKW-Anteil von 9,5 bzw. 3,5 Prozent. Auf Seite 22 aber werden diese Zahlen gleich relativiert. Es heiß wörtlich:

„Die erkennbaren Abnahmen an der Zählstelle 9123 auf der B 21 zwischen Bad Reichenhall Nord und Weißbach um 2/3 müssen durch eine Verlegung der Zählstelle nach Norden nach dem Abzweig der B 20 verursacht worden sein. Aus diesem Grund wurde die Zeile grau hinterlegt, da eine Vergleichbarkeit nicht gegeben ist.“

Der Verkehr und LKW-Anteil an Werktagen höher

Warum die Zählstelle verlegt wurde, begründet das Gutachten nicht. Vor „der Verlegung‘ wies es nämlich ein Verkehrsbelastung DTV / Kfz.24h von 34.100 Fahrzeugen auf. Und diese Zahl trifft die tatsächliche Belastung besser. Dabei gibt die Angabe von DTV / Kfz.24h nicht das tatsächliche Bild ab, denn es ‚beschönigt‘ die Belastung werktags durch den Berufsverkehr und den LKW-Verkehr, die am Wochenende ja nur sehr eingeschränkt fahren.

So hat Professor Dr. Kurzak bei seiner Verkehrsuntersuchung im Jahr 2010 auch den tatsächlichen Verkehr werktags abgebildet und daraus ergeben sich noch höhere Zahlen. Die aber scheint bei den Gutachtern des Landkreises spurlos vorbei gegangen zu sein. Nach den Erhebungen von Professor Dr. Kurzak sind darum am Brennpunkt B20 / B21 auf der Salzburger Straße 38.800 Fahrzeuge zu zählen. Der Verkehr teilt sich dann folgerichtig mit der Abzweigung in die Stadt Bad Reichenhall und den weiteren Verlauf auf der B20 / B21, Loferer Straße.

Die auf Seite 97 angegebene Belastung für Bad Reichenhall gibt damit nur die halbe Wahrheit bzw. die halben Verkehrszahlen wieder. Sie liegt an verkehrsreichen Tagen nämlich nicht bei 20.000 Kfz/24h, sondern bei 40.000 Kfz/24h.

 

 

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